Die Neuordnung der Berliner Museumslandschaft ist ein kulturpolitisches Projekt von großer Tragweite. Schon seit den 1990er Jahren arbeiten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) und ihre Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) an der Planung und Durchführung dieser herausfordernden Umgestaltung. Mit der Umsetzung des „Masterplans Museumsinsel“ sollen die Folgen der deutschen Teilung endgültig überwunden werden und Berlin seinen Ruf als international herausragender Museumsstandort festigen.
Der Masterplan Museumsinsel
Die Museumsinsel Berlin gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe. Der Masterplan Museumsinsel sieht vor, die knapp einen Quadratkilometer große Insel in der Spree als zeitgemäßes Museumsquartier weiter zu entwickeln. Gleichzeitig soll das einzigartige historisch gewachsene Ensemble aus Architektur und Kunst bewahrt werden. Der Masterplan Museumsinsel eröffnet auch die Möglichkeit, die derzeit am Kulturforum präsentierte Sammlung der Gemäldegalerie an ihren historischen Ort auf der Museumsinsel zurückzuverlagern. Dort soll die Sammlung der Alten Meister wieder zusammen mit der Skulpturensammlung gezeigt werden – und zwar im Bode-Museum und in einem geplanten Erweiterungsbau jenseits des Kupfergrabens.
Die Museumsinsel bietet ihrem Publikum heute wieder ein breites Panorama der Menschheitsgeschichte: Der Besucher begegnet den für die Entwicklung der westlichen Kunst entscheidenden Kulturen aus der Vor- und Frühgeschichte, aus den Hochkulturen Ägyptens und des Vorderen Orients, Werken der klassischen Antike und der Spätantike, islamischen Schätzen von der Frühzeit bis ins 19. Jahrhundert, europäischer Plastik vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert und Gemälden des späten 18. und des 19. Jahrhunderts. Doch die Malerei des 13. bis 18. Jahrhunderts fehlt größtenteils in dieser beeindruckenden Gesamtschau. Die Bilder der Alten Meister sind aber seit dem späten Mittelalter das Leitmedium der Bildenden Kunst in Europa. Mit anderen Worten, die Werke der Gemäldegalerie sind unverzichtbar, wenn die Museumsinsel wieder einen inneren Zusammenhang erhalten soll.
Die Rückkehr der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel böte noch eine weitere Chance. Die von dem herausragenden Museumwissenschaftler Wilhelm von Bode um 1900 entwickelte dialogische Präsentation von Gemälden und Skulpturen könnte in einer zeitgemäßer Umsetzung wieder aufgenommen werden. Bodes Präsentationsidee erregte weltweites Aufsehen. Sie wurde zum Markenzeichen der Berliner Museen und setzte szenografische Standards: Bis 1933 waren im Bode-Museum Gemälde und Skulpturen stets gemeinsam ausgestellt. Die Modernität und Überzeugungskraft dieses Ansatzes konnte vor kurzem in den erfolgreichen Sonderausstellungen „Gesichter der Renaissance“ und „Klage um einen verstorbenen Prinzen. Die Pleurants vom Grabmal des Herzogs Jean sans Peur in Dijon“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden.
Die Chancen
Die Rückführung der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel, die Bestandteil des Masterplans Museumsinsel ist, hat auch Auswirkungen für die weiteren Standorte der Staatlichen Museen zu Berlin. Das am Kulturforum frei werdende Museumsgebäude könnte künftig für die seit langem benötigte „Galerie des 20. Jahrhunderts“ genutzt werden. Der von den Architekten Hilmer & Sattler entworfene, viel gelobte Bau verfügt über eine ausreichend große Ausstellungsfläche und kann so umgestaltet werden, dass moderne Kunst dort angemessen präsentiert werden kann. Eine solche Umnutzung würde ein weiteres Problem der Sammlungen der Moderne lösen: Die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe ist längst viel zu klein geworden. Sie würde von der Dauerausstellung entlastet und könnte nach ihrer bald anstehenden Grundsanierung (ab 2015) für Sonderausstellungen der Nationalgalerie genutzt werden.
Sowohl aus kultur- und stadthistorischer als auch aus architektonischer Hinsicht ist das Kulturforum für eine „Galerie des 20 Jahrhunderts“ geeignet wie kein anderer Ort in Berlin. Der Museumsstandort erhielte durch die Verdichtung ein klares, inhaltlich stimmiges Profil, zumal auch die Bestände der anderen hier ansässigen Sammlungen und Museen – Kunstgewerbemuseum, Kupferstichkabinett und Kunstbibliothek – über Sammlungsschwerpunkte in diesem Zeitraum verfügen.
Die Variantenuntersuchung
Die Pläne der Staatlichen Museen zu Berlin und der SPK zur Neuordnung der Berliner Museumslandschaft sind sorgfältig überlegt und wurden bereits in den 1990er Jahren breit diskutiert. Die Direktoren aller betroffenen Sammlungen bzw. Museen waren bzw. sind an dieser Konzeption beteiligt. Mit der wissenschaftlichen Kompetenz ihrer Häuser stehen sie gemeinschaftlich hinter diesem Projekt.
Um die Entscheidungsfindung über das seit langem anhängige Projekt auf eine belastbare Grundlage zu stellen, hat die SPK Anfang September 2012 eine Variantenuntersuchung zur Neuordnung der Museen in Auftrag gegeben. Dabei werden sowohl die inhaltlichen als auch die finanziellen Aspekte des Projektes überprüft und alternative Lösungen untersucht. Die Ergebnisse der Studie sollen im Frühjahr 2013 vorliegen.
